Die persönliche Energiewende: PV-Anlage und E-Auto

Umweltfreundliche Energieversorgung, steigende Kosten und umweltfreundlichere Mobilität sind Themen, die uns gerade auch privat beschäftigen. So denken wir im kommenden Jahr über die Anschaffung eines E-Autos nach und auf dem Dach des Gebäudes unserer Eigentümerversammlung soll endlich möglichst zeitnah eine PV-Anlage installiert werden. Natürlich bin ich dabei, entsprechende Informationen zu sammeln. Hier eine Auswahl von lesenswerten Artikeln rund um die Thematik, die ich in den vergangenen Tagen und Wochen zu den Themen gefunden habe, quasi mein Spickzettel zum Thema – und zu Eurer Information und Inspiration.

Ungenutzte Chance Solaranlage auf dem eigenen Dach

Oft habe ich den Eindruck, dass das Potential von Photovoltaik-Anlagen, die auf deutschen Dächern installiert werden könnten (und sollten) bewusst klein geredet wird. Ein Schelm, der Böses dahinter vermutet, denn wer könnte an einer solch dezentrale Gewinnung Form der Energiegewinnung und gar direkten Nutzung kein Interesse haben? Denken wir mal über die Frage nach, denn …

10,8 Millionen private Ein- und Zweifamilienhäuser sind demnach hierzulande für Fotovoltaik geeignet. Würde dieses Sonnenreservoir angezapft, könnte damit laut dem Bericht pro Jahr so viel Strom erzeugt werden, wie durch zehn mittlere Kohlekraftwerke.

Energiewende: Viel Potenzial für Solarstrom auf Deutschlands Dächern | heise online (25.6.2022)

Laut der gerade zitierten Studie des Bonner Forschungs- und Beratungsunternehmen EUPD Research im Auftrag des Solarstromanbieters Lichtblick würde der Energiebedarf der Häuslebesitzer um zwei Drittel sinken. Und die Einnahmen von wem würden genauso sinken?

Projekt PV-Anlage in einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG)

Doch natürlich gibt es nicht nur Ein- und Zweifamilienhäuser. Auf dem rund 370 Quadratmeter Flachdach unserer Eigentumswohnungsgemeinschaft mit 8 Wohneinheiten könnten in Ost-West-Ausrichtung rund 144 Module mit einer Leistung von 57,6 kW zur eigenen Nutzung, für „E-Auto-Betankung“ und Einspeisung ins Netz installiert werden. Vor über 20 Jahren, also noch Einstimmigkeit notwendig war, ist die Installation durch das Veto zweier Miteigentümer gekippt worden.

Unterdessen ist nur noch eine einfache Mehrheit statt Einstimmigkeit notwendig und diese Mehrheit scheint nun willens zu sein, die PV-Anlage anzuschaffen. Jetzt müssen wir „nur noch“ einen kompetenten und lieferfähigen Anbieter finden und die bürokratischen Hürden hier in der Stadt Darmstadt, die Solarenergie fördert, nehmen. Ich bin gespannt, ob und bis wann es diesmal hoffentlich klappt.

Übrigens hält der Wust an Bürokratie viel Hausbesitzer von einer PV-Anlage ab. Für Eigentümergemeinschaften wird es noch komplizierter gemacht und viele Anbieter und Installateure sind bei meiner Anfrage sichtlich zurück geschreckt. Offensichtlich war oder ist es kompliziert aufgrund der Dynaik von WEGs und aufgrund der Vorschriften und Bürokratie. Wer will schon extra ein GBR gründen, damit die PV-Anlage installiert werden kann? Und man muss sich auch mit steuerlichen Fragen auseinander setzen. Die deutsche Bürokratie macht es mal wieder unnötig schwer, statt die Energiewende schnell und pragmatisch zu unterstützen. Schnell und pragmatisch scheinen in großen Teilen der öffentlichen Verwaltung eben ein Fremdwort zu sein. Wir tendieren übrigens derzeit dazu, auf Einzeleinheiten und keine Gemeinschaftsanlage zu setzen.

Bald kein Wieland-Stecker mehr für Balkonkraftwerke?

Endlich vereinfachte Regeln für Balkonkraftwerke?

Selbst bei einfachen Balkonkraftwerken erschweren Vorschriften die Inbetriebnahme. Wer sich an die Vorschrift hielt, musste einiges beachten, beispielsweise eine Wieland-Stecker statt des üblichen Schuko-Steckers benutzen. Das könnte sich jetzt endlich ändern, denn selbst der mächtige VDE, der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und der Informationstechnik, fordert vereinfachte Regeln für Balkonkraftwerke.

Schukostecker soll erlaubt, bis 800 Watt als Bagatellgrenze ebenso wie rückdrehende Zähler erlaubt und eine einfachere Anmeldung ermöglicht werden. Bleibt die Hoffnung, dass diese Forderungen auch schnell umgesetzt und genehmigt werden und es nicht wieder Monate oder Jahre dauert, aber Schnellverfahren sind leider eben nicht typisch deutsch. So könnte der Paukenschlag, wie heise online titelt, auch zu einem kaum hörbaren Pupser verkommen … Aber halten wir fest: Auch hier gibt es Potential und selbst netto bietet plötzlich Balkonkraftwerke an.

Einspeisung in die Netze als Problem

Und es gibt weitere Herausforderungen. Die lokalen Netze sind derzeit meist nicht für die dezentrale Rückeinspeisung größerer Energiemengen geeignet, die durch die vielen Häuslebesitzer mit ihren PV-Anlagen produziert werden könnten. Viele Netze wären wohl nicht in der Lage, einen großen Zustrom von Energie aus PV-Anlagen zu bewältigen, da die Netze für Energie ausgelegt sind , die in eine Richtung fließen. Wenn zu viel Energie in das Netz zurückgespeist wird, könnte es zu Problemen kommen. Die Infrastruktur müssten und muss angepasst werden, fordert auch der ZVEI, derVerband der deutschen Elektro- und Digitalindustrie.

Durch eine dezentrale Energieerzeugung mit Speicherung, Verteilung im Quartier, mit digitalen Netzanschlüssen, Sektorenkopplung mit Photovoltaik, Wärmepumpe und E-Mobilität und nicht zuletzt durch die immensen Effizienzgewinne der direkten Stromnutzung sind die gesetzten Klimaziele zu erreichen.

ZVEI-Verband: „Stromnetz zurzeit nicht energiewendefähig“ | heise online

Sehr lehrreich dazu ist der FAZ Digitec-Podcast vom 19.11.2022 mit Professor Ingo Jeromin forscht von der Hochschule Darmstadt, der über die Rolle erneuerbarer Energieträger, bessere Speicher, Funktion und Aufbau unseres Stromnetzes informiert. In diesem Beitrag wird das Thema nochmals als Text erläutert. Doch auch diese Problematik erscheint lösbar – wenn man es nur will. Und der Wille scheint mir sehr oft der Knackpunkt zu sein.

E-Auto: Wo sind die preisgünstigen Klein- und Kompaktwagen?

In meinen Überlegungen hat neben der Nutzung der Energie in der Wohnung auch immer das Laden eines E-Autos eine Rolle gespielt. Daheim an der eigenen PV-Anlage mit Wallbox laden können, ist für mich ein schlagendes Argument für die Anschaffung eines BEV. Gerade in Zeiten gestiegener Energiepreise, die offenbar viele potentielle Käufer von E-Autos gerade abschreckt, ist selbst generierte Energie sicherlich sehr sinnvoll. Die Wallbox kann – wenn man sich in der WEG einig ist – auch gemeinsam genutzt werden, eine Abrechnung über Karten erfolgen.

Subventionen sinken, Energiekosten steigen, mangelhafte Ladeinfrastruktur und da ist ja noch die typisch deutsche Reichweitenangst.

Ladeinfrastruktur und Reichweitenangst

Jedoch haben viele nicht die Möglichkeit, eigene Energie zu nutzen, sondern sind auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Und dort könnte und müsste von Arbeitgebern, von Parkhausbetreibern und der öffentlichen Hand noch eine Menge getan werden. Nach anfänglicher medialer Aufregung spricht kaum jemand noch von der Lademöglichkeit an jeder Straßenlaterne oder dem R2D2-ähnlichen Roboter von VW, der von einem E-Auto zum nächsten fährt und diese mit dem Ladenetz verbindet.

Neben der Lademöglichkeit herrscht weiterhin und vor allem wohl Reichweitenangst. „Die Hälfte der befragten Konsumenten aus Deutschland erwartet eine Reichweite pro Akkuladung, die zwischen 400 und 600 Kilometern liegt“, so die Deloitte Global Automotive Consumer Study 2023. Dabei würden für den allergrößten Teil der täglichen Fahren eine deutlich geringere Reichweite genügen: Nach einer Untersuchung von 2021 sind es durchschnittlich 73 Kilometer.

Deloitte sieht im Segmente der Klein- und Kleinstwagen in den kommenden Jahren das größte Marktpotenzial. Dort und in der unteren Mittel- oder Kompaktklasse à la Golf tut sich nach meiner Wahrnehmung noch nicht genug. „“Bezahlbare Elektroautos fehlen in Europa – Günstige Elektroautos sind von deutschen und europäischen Herstellern kaum zu bekommen. Chinesische Hersteller stehen bereit, um einzuspringen“, schreibt das Handelsblatt. Stattdessen erhöht Volkswagen den Preis für den ID.3.

Der ID.3 war ja schon vorher nicht „billig“. Jetzt wird nochmals drauf gepackt.

Wer wie wir in dieser Klasse einen Wagen sucht, der weder überteuert ist, noch aus China kommen soll, hat nach meiner Marktsichtung noch keine große Auswahl. Dabei sind unsere Anforderungen nicht exorbitant hoch: Der Wagen sollte uns ohne Ladestop auch im Winter hin und zurück zu meinen 110 Kilometer entfernt wohnenden Eltern bringen können. Eine WLTP – die von den Anbietern genannte Reichweite – von rund 400 Kilometern und eine Batterie mit 60 kWh sollten genügen. „Rund 60 kWh scheinen der Sweetspot zu sein, der beste Kompromiss aus Kosten und Reichweite“, so ein Bericht auf heise online. Mein Sweetspot unter den verfügbaren ist derzeit der Cupra Born. Aber vielleicht gibt es zum angedachten Anschaffungsdatum im März 2024 noch eine etwas größere Auswahl an Fahrzeugen im Markt.

SUVisierung statt Klein- und Kompaktwagen

Statt aber Klein- oder Mittelklassewagen anzubieten, setzen gerade die sogenannten deutschen Premium-Anbieter auf elektrifizierte EQS-Klasse oder i7er und auf eine weltweit fortschreitende SUVisierung. Dort ist halt einfach mehr Geld pro Fahrzeug zu verdienen. So kommen die meisten E-Kleinwagen unterdessen aus anderen Ländern und nicht aus Deutschland. Thomas Kuhn bringt es in der Wirtschaftswoche auf den Punkt:

Bei den traditionellen Autobauern aber scheint das kaum jemandem aufgefallen zu sein. Sie entfernen sich mit ihrer aktuellen Modellstrategie gerade im Höchsttempo von ihren künftigen Kunden. Statt diese mit für sie relevanten Eigenschaften wie etwa minimalem Ressourcenverbrauch zu begeistern, verharrt die Branche in überkommenen Denkmustern und droht so, die Kundschaft von morgen zu verfehlen.

Übermotorisierte E-Autos: Autobauer produzieren an Kunden vorbei – Wirtschaftswoche

Sieht so eine Ikone der E-Auto-Epoche aus?

So sieht also eine Ikone der E-Auto-Epoche aus!

Weg mit den bürokratischen Hürden und weg mit der Blockadepolitik

Unvernunft und teilweise auch Unfähigkeit bei den deutschen Autobauern, die lieber nach Subventionen schreien und den chinesischen Markt bedienen, dort Fabriken bauen, statt selber ihre Software in den Griff zu bekommen, chinesische Hersteller die an die Tür klopfen, deutsche Verbraucher – ja, vor allem Männer -, die in der großen Mehrheit auf Verbrenner und Reiserennmaschinen und SUVs stehen, die Situation ist schwierig. Auch sehe ich keine konzertierten Bemühungen, eine breite Ladeinfrastruktur zu bauen. Ach ja, da war ja noch ein Thema: Das Geschwindigkeitslimit von 120 km/h oder 140 km/h auf Autobahnen, das die FDP, die Partei der Besserverdienenden, Porsche-Fahrer und Dienstwagenbesitzer, konsequent blockiert.

Schnell sind wir wieder beim Thema PV-Anlagen und Solarenergie. Auch hier scheint mehr Tempo und weniger Bürokratie möglich und nötig. Ebenso sollte die zweiseitige Einspeisung in das Netz sollte angegangen werden, um einen flexibleren Energiemix zu nutzen. Den Energieversorgern gilt es auf die Finger zu schauen, dass sie einen dezentraleren Ansatz nicht behindern oder blockieren. Nein, dass Fass Windenergie, Verhalten der Vorgarten-Anwohner und der „geschätzten“ CSU in Bayern mache ich jetzt auch noch auf, denn dann sind wir ganz schnell bei weiteren Themen, dem Mobilitätsmix zwischen ÖV und Individualverkehr und vielem mehr. Jetzt gehen wir erst einmal persönlich unsere kleinen Projekte in der Energiewende und Mobilität an und hoffen auf vernünftige Lösungen, die wir möglichst bald einsetzen. Ein kleiner Baustein, aber für uns wichtig.

Zum Titelbild:

Das Titelbild wurde mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz Dall-E 2 von OpenAI generiert, Die Anforderung, die ich dem System gestellt habe, war „Paint a picture in the style of Edward Hopper with an electric car being charged on a wallbox and show solar panels.“

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1 Kommentar zu „Die persönliche Energiewende: PV-Anlage und E-Auto“

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