Die Tage bin ich über verschiedene Berichte gestolpert, in denen 40 Jahre Windows „gefeiert“ wird. Am 20. November 1985 kam Windows 1.0 auf den Markt und ich habe das miterlebt, den Weg über Windows 2.1 zu Windows 3.0, Windows 95 und Windows NT begleitet. Damals war ich im Vertrieb und Marketing von Windows-Anwendungen tätig und ganz eng mit Microsoft Deutschland verbunden. Gut in Erinnerung sind mir noch die Partnerstände von Microsoft auf der CeBIT, wo meine Firmen lange Jahre vertreten waren. Ich bin also in der Tat ein Mitglied der Generation Windows.
Der lange Schatten von Excel & PowerPoint
2010 habe ich hier im Blog über diese Zeit geschrieben und das Thema Microsoft beschäftigt mich noch immer. Das Unternehmen hat einen Siegeszug hingelegt, der seinesgleichen sucht. SAP hatte mal den Marketingspruch, dass die besten Unternehmen auf SAP laufen. Ich habe feststellen müssen, dass viele Unternehmen auf Basis von Excel-Tabellen und PowerPoint-Präsentationen geführt und kontrolliert werden. Das ist auch heute noch so. Wie sehr sich die deutsche Verwaltung in die Hände und Abhängigkeit von Microsoft begeben hat, wurde oft im Blog behandelt. Da spielen die ständigen Sicherheitsprobleme und Ausfälle leider wohl auch keine wirkliche Rolle. Auch Datenschutzbedenken werden mal schnell ad acta gelegt.
Cloud-Zwang, KI-Versprechen und neue Abhängigkeiten
Jetzt sind wir in einer neuen Phase. Mit den Azure-Cloud-Angeboten hat sich Microsoft auch im Cloud-Segment einen guten Teil des Kuchens abgeschnitten und versucht gerade, die alten Microsoft Office-Kunden mit mehr oder weniger sanfter Gewalt in der Microsoft-Cloud zu fesseln. Mit den KI-Angeboten, den CoPiloten, die nun überall in den Microsoft-Produkten auftauchen, ist der nächste Schritt des Abhängigmachens in vollem Gange.
Digitale Souveränität? Noch immer ein Lippenbekenntnis
Dabei fliegt Microsoft in der öffentlichen Wahrnehmung ganz geschickt etwas unter dem Radar. Wenn über die bösen US-Big-Tech-Konzerne gesprochen wird, fallen meist zuerst andere Namen. Dabei ist unsere Abhängigkeit von Microsoft besonders eklatant, und wenn wir über digitale Souveränität reden, müsste sich gerade dort etwas ändern. Doch der Bund und viele Bundesländer binden sich weiter in sklavischem Gehorsam an den Konzern aus Redmond, zahlen immer mehr Lizenzgebühren, anstatt mutig und solidarisch alternative Wege zu gehen. In der Wirtschaft sieht es nicht viel anders aus.
So bleibt nur eine trügerische Hoffnung, dass Deutschland und Europa den Trump-Schuss gehört haben und neue Wege gehen. Allein bleibt der Zweifel, auch wenn man sich den Europäischen Gipfel zur Digitalen Souveränität 2025 in Berlin anschaut. Stellt man dann noch die Investitionen in Open-Source-Lösungen und Initiativen wie ZenDiS den Lizenzgebühren gegenüber, die Bund, Länder und Kommunen an Microsoft zahlen … So richtig ernst scheint man die Situation noch immer nicht zu nehmen.
Privat nutze ich mittlerweile seit vielen Jahren keine Microsoft-Hardware und -Software mehr. Ich bin seit gefühlter ewiger Zeit ein MacBook-Nutzer und ja, ich habe mich in die Abhängigkeit eines anderen US-Konzerns begeben. Allerdings stammen Mail, das Office-Programm und viele andere Komponenten, die ich nutze, nicht von den US-Plattformanbietern. Ideal? Nein, aber besser, als nur Microsoft zu nutzen.


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