Ich schaue ja unter dem Motto #TenYearsAfter zurück, was ich vor zehn Jahren hier im Blog verzapft habe. Es ist teilweise spannend und entlarvend, wie wenig sich gebessert hat.
Google wusste, was ich tue – die „Souveränität“ heute ist Marketing
Im Juli 2016 zeigte mir Googles Tool „Meine Aktivitäten“, was der Konzern über mich speichert – siehe meinen Beitrag von damals. Ich fand das aufschlussreich. Die eigentliche Frage, wem diese Daten am Ende gehören und wer wirklich darauf zugreifen darf, habe ich damals nicht gestellt.
Zehn Jahre später sind wir in einem Zeitalter, wo die KI von Google und den anderen LLM-Anbietern alle verfügbaren Informationen aufsaugt, um die eigenen Modelle zu trainieren. Und die nächste Stufe ist gezündet: KI Agenten verlangen den Zugriff auf unsere Produktivitätstools, auf Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, damit sie unsere Arbeitsprozesse automatisieren und optimieren können. Dabei bekommen sie auch Zugriff auf teilweise sensible und persönliche Dateien und Dokumente.
Ob Google oder Microsoft oder Anthropic, alle verkaufen das natürlich als „the next big thing“, als etwas, das man unbedingt haben muss, als Unternehmen oder auch Privatperson.
Dateianhänge waren der Tod der Zusammenarbeit – sie sind es immer noch
Daran anschließend: „Sie sind der Beginn allen Übels“, schrieb ich 2016 über Dateianhänge – VertragMeierV3a.doc gegen VertragMeierV4b.doc, niemand weiß, welche Version zählt. Mein Wunsch damals: Systeme, die Dateien automatisch verlinken statt anhängen. Die Dateien und Dokumente sollten nur einmal gespeichert werden.
Zehn Jahre später verschicken wir noch immer Anhänge. Trotz Sharepoint, Box und Teams liegt VertragMeierV4b.doc weiterhin im Postfach von zehn Empfängern. Jetzt sollen besagte KI-Agenten wie Microsofts Copilot Cowork das endlich richten: Dokumente direkt bearbeiten, Versionen erkennen, Zugriffsrechte automatisch vergeben. Ob künstliche Intelligenz das Anhang-Problem löst oder nur neu verpackt, weiß ich erst in ein paar Jahren. Skeptisch bin ich schon jetzt.
McKinsey sah nuancierte Automatisierung – heute diskutieren wir echte Verdrängung
McKinsey schrieb 2016, nur fünf Prozent der Berufe ließen sich komplett automatisieren, aber 45 Prozent der Tätigkeiten schon mit damaliger Technik. Automatisierung verändere Jobs, ersetze sie aber nicht, so die These für eine Zeit vor ChatGPT.
Zehn Jahre später ist von Beruhigung nichts übrig. 40 Prozent der Arbeitgeber weltweit rechnen mit einer schrumpfenden Belegschaft dort, wo generative KI Aufgaben übernimmt, Schätzungen sprechen von bis zu 300 Millionen betroffenen Vollzeitstellen. Deutschland gibt sich gelassener: Zwei Drittel der Unternehmen erwarten keine Auswirkung auf die Stellenzahl, das IAB zählt für 2025 rund 1,6 Millionen umverteilte Stellen bei einer Nullsumme unterm Strich. Ob diese Gelassenheit hält, wenn die Modelle besser werden, bezweifle ich. Betroffen sind schon jetzt Sachbearbeitung, Kundensupport und mittleres Management – genau die Wissensarbeit, die McKinsey 2016 noch für sicher hielt.


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