In Unternehmen: Wir brauchen Archivare und Bibliothekare

Der von mir hoch geschätzte Harald Schirmer adressiert in seinem Beitrag die Herausforderung, nein das (unlösbare?) Problem, dass im unternehmenseigenen Intranet, sozialen Netzwerk, Dokumentenmanagement-System, ECM oder Messenger zu wenig relevante Informationen geteilt werden. Im Gegensatz – so Harald – zum Internet, wo jedoch – meine Randbemerkung – auch unendlich viel Müll jeglicher Art geteilt wird:

Im Internet wird geteilt, erzählt, gestreamt, dokumentiert, kommentiert, bewertet, geliked – um Reputation aufzubauen und Wertschätzung zu erhalten (bei den Wenigsten in finanzieller Form). Hier wird über Fehler gesprochen, hier werden Prozesse sichtbar gemacht, Reparaturvorgänge gefilmt, kritisch Produkte und Services getestet und alles Mögliche miteinander verglichen. Kurz – es gibt unendlich viel zu FINDEN

Wir sollten die Diskussion in Unternehmen über die Qualität von Suchmaschinen eine Weile hinten anstellen und uns überlegen wie wir eine Kultur des Teilens (Sharing) etablieren. Wie wir Mitarbeiter animieren, Ihr Wissen, Ihre Prozesse, Ihre Kompetenzen, Ihre Erfahrungen, Ihre Sorgen und Probleme einbringen. Natürlich nicht gezwungen und nicht Big Brother, sondern mit genau dem gleichen Mindset wie im Netz. Um dem Unternehmen und sich selbst zu helfen, um Wertschätzung zu bekommen und Reputation aufzubauen, um den Reichtum der Diversität eines Unternehmens nutzbar zu machen.

über Vor dem FINDEN kommt das SHAREN | Harald Schirmer

Die Diskussion, wie wir Mitarbeiter zum Teilen von Dokumenten, Wissen und Informationen bekommen, begleitet mich, seitdem ich mich in der IT bewege. Das Ablagen und Verschlagworten im Dokumentenmanagement-System (DMS) war und ist den meisten Mitarbeitern ebenso lästig wie das Einstellen in das unternehmenseigene soziale Netzwerk oder Teilen mit den jetzt gerade ge-hype-ten Messengern.

Hier geht es auch gar nicht im Fingerpointing auf die bösen Mitarbeiter, die faulen Säcke, die ihr Wissen für sich behalten wollen  und einfach zu bequem sind, Wissen zu teilen. Es geht auch nicht primär um das Anprangern der Software-Anbieter, die einfach nicht in der Lage sind, wirklich komfortable, benutzerfreundliche Programme zu liefern. Es geht darum, dass Teilen von Informationen offensichtlich nicht oder nicht mehr in der DNA des Einzelnen ausreichend verankert ist.

Ja, teilen von Informationen scheint durch E-Mail, die lokale Festplatte, das scheinbar immer weiter zunehmende Arbeitstempo in Unternehmen – wir hecheln von Quartal zu Quartal -, den Stress, der keine Zeit zum Teilen lässt, aus der Mode gekommen zu sein. Es steht auf der Prioritätenliste weit unten. Und dass wir den Mitarbeitern, die wertvolle Informationen teilen, mehr Wertschätzung zukommen lassen sollten, ist nicht neu, hier und da leere Versprechung – und bisher meist gescheitert.

Resignieren wir also. Nein, das dicke Brett des Teilens von Wissen und wertvollen Informationen muss weiter gebohrt werden. Aber vielleicht müssen wir über zusätzliche Mechanismen nachdenken. In vergangenen Jahrhunderten gab es den Archivar und Bibliothekar (ich weiss, gibt es noch immer). Vielleicht brauchen wir diese Funktion wieder in jedem noch so agilen Projektteam und jeder Abteilung? Wirklich als Stelle und fest definierte Aufgabe. Eventuell ist das ein Bausteinchen, lieber Harald, dass wir im Intranet wirklich Wertvolles finden. Finden ist aus meiner Sicht technologisch nicht mehr das Thema. Da existieren und kommen Technologien, die das wirklich noch einfacher machen werden.

(Stefan Pfeiffer)

Ein Kommentar zu „In Unternehmen: Wir brauchen Archivare und Bibliothekare

  1. „Unternehmen brauchen Archivare und Bibliothekare“ … Ja, das ist – zum Teil – richtig. Jedoch stellt sich hier auch die Frage, werden Archivare und Bibliothekare für die Herausforderungen des Informationsmanagements entsprechend ausgebildet? Vielfach zielt die Ausbildung noch auf den „klassischen Archivar“ in der öffentlichen Verwaltung, den „Bibliothekar“ in der Bibliothek. Hierzu habe ich in einer Reihe von Beiträgen Stellung bezogen.
    – „Wer braucht noch Archivare und Dokumentare?“ an der FH Potsdam https://www.slideshare.net/DRUKFF/wer-braucht-noch-archivare-und-records-manager-berufsfeldtagung-fh-potsdam-24042009 (auch als Video)
    – „Die Profession des Information Management Professional“ DMS EXPO 2015 https://www.slideshare.net/DRUKFF/de-dms-expo-2014 (auch als Video)
    oder auch in unserem Blog
    – „ECM und Weiterbildung“ https://www.project-consult.de/in_der_diskussion/ecm-weiterbildung
    oder in Whitepaper zur Weiterbildung von Archivaren
    – „E-Learning & E-Term“ DLM Forum Whitepaper https://www.slideshare.net/DRUKFF/de-dlm-forum-industry-whitepaper-07-elearning-eterm-project-consult-nicole-glade-hamburg-2003
    Was wir brauchen, sind letztlich Informationsmanager, die vom Inhalt und Wert der Information an das Thema herangehen, und keine „Techies“. Letztlich gilt für die Zukunft, dass jeder Grundkenntnisse im Informationsmanagement haben muss, um mit der Flut an Information zurechtzukommen. Nicht nur Archivare, Dokumentare, Records Manager und Bibliothekare sondern letztlich jeder von uns – bis zu einem gewissen Grad – muss ein Information Professional sein.

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