comment 0

Zusammenarbeit: Bei 5 bis 10 Stunden Videocalls lache ich nur, Dateianhänge, Versionen, Threads und … Kultur bei #9vor9

Unser Thema der Woche bei #9vor9 wurde (einmal wieder) durch einen Beitrag von Michael Kroker, vor allem aber die Reaktionen auf meinem Kommentar im Retweet Michaels Beitrag initiiert. Unternehmen und – man mag es kaum schreiben – auch die öffentliche Verwaltung sollten mehr aus ihren Collaboration-Werkzeugen heraus holen und nicht nur auf Videokonferenzen setzen, so der Tenor des Beitrags. Doch die Geschichte, dass die vorhandenen Tools zur Zusammenarbeit nicht gut genug genutzt werden ist alt, uralt …

Dass die vorhandenen Werkzeuge nicht optimal genutzt werden, haben Lars und ich an vier Beispielen in unterschiedlichen Tools fest gemacht: Noch immer versenden viele Anwenderinnen und Anwender Dateianhänge per E-Mail, oft in erschreckender Größe und das obwohl es in vielen Unternehmen Dokumentenmanagement-Systeme gibt, wo Dateien abgelegt und dann per Link geteilt werden können. Dateianhänge sind der, sind ein Tod digitaler Zusammenarbeit, wie ich in diesem Beitrag schon einmal ausführlich beschrieben habe. Wir müssen die Kollaboration und Kommunikation vom Menschen, nicht von der Datei aus denken.

Im verlinkten Beitrag habe ich auch auf die Möglichkeiten hingewiesen, konsequent mit der Versionierung von Dokumentenmanagement-Systemen zu arbeiten, statt immer neue Dateien à la Collaboration_ist_wichtig_V2_mit_Kommentar__Lars.docx zu erstellen. Ein Horror für jemand, der sich mit dem Thema nun schon lange beschäftigt und an effizienteres, schlaueres Arbeiten im Büroalltag glaubt. Auch dieses Thema haben wir noch nicht in den Griff bekommen, noch nicht gut genug erklärt oder noch nicht einfach und benutzerfreundlich genug in den entsprechenden Systemen abgebildet.

Doch nicht nur Versionen, die E-Mail, zu viele E-Mails sind das Übel. Es wird auch trotz der tollen Funktionen vieler moderner Werkzeuge nicht besser. Nehmen wir Slack: Viele Nutzerinnen und Nutzer schreiben ihre Nachrichten einfach untereinander, statt die Diskussionen in Threads zu ordnen. Ich zitiere: „Mit Threads kannst du organisierte Diskussionen zu spezifischen Nachrichten erstellen. Darin kannst du ein Thema detaillierter besprechen … Wenn du einen Thread startest oder darauf antwortest, werden die Antworten mit der ursprünglichen Nachricht verbunden.“ Wer Threads nicht nutzt, hat rasend schnell den Überblick und Zusammenhang verloren. Ein weiterer Tod moderner Zusammenarbeit.

Natürlich kommen wir auch nicht am Thema Meetings und Videokonferenzen vorbei. Ja, Lars, es darf auch Videokonferenzen geben, die mal „sozial“ sind und ohne Agenda auskommen. Doch plädiere immer noch dafür, dass an „normalen“ Videokonferenzen und Meetings nur die teilnehmen sollten, die wirklich nötig sind, dass sie eine Agenda haben sollten, auch einen Moderator und dass die Ergebnisse dokumentiert und nachgehalten werden sollten. Und das schreibe ich als Leidgeprüfter, der locker 10 Stunden (deutlich mehr) in der Woche in Vidoecalls verbringt.

4 Beispiele, an denen es krankt, und ein weiterer Wunsch, den ich noch immer habe: Wann gibt es endlich ein Google für Unternehmensinhalte? Wann kann ich über eine Suchabfrage mein E-Mail, mein Slack, meine Dokumente (auch im Dokumentenmanagement-System), mein Intranet, mein Trello durchsuchen und Informationen finden. Die Vision einer Enterprise Search Engine ist immer noch weit, weit weg. Und ich erinnere mich noch an Volltextsuchmaschinen wie Verity oder Fulcrum und fange gar nicht an, über die Suche in Audio und Video zu fabulieren.

Doch jetzt erst einmal einige Schritte zurück: Wir haben hier viele technische, funktionale Fragen und das „mangelhafte“ Verhalten der Anwenderinnen und Anwender diskutiert. Doch viel entscheidender ist aus meiner Sicht die Kultur. Wie offen und transparent will man zusammenarbeiten? Geht es um Kontrolle – siehe den Tweet zu Microsoft365 – oder eben um gute Zusammenarbeit und Kommunikation im Interesse des Unternehmens? Wie ticken doie Führungskräfte. Ich glaube, dieser Aspekt bedarf noch eines Comebacks, lieber Lars, vielleicht mit einem kompetenteren Gast.

Natürlich gibt es #9vor9 wieder als Podcasr:

9vor9 Episode 75 – Über die Zukunft des Journalismus #9vor9 – Die Digitalthemen der Woche

Wir melden uns zurück mit unserer ersten Episode im neuen Jahr 2022 und sprechen über die Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism mit dem Titel "Journalism, media, and technology trends and predictions 2022". Jedes Jahr veröffentlicht das Institut die Ergebnisse ihrer Umfrage von Menschen, die in der Medienbranche arbeiten. Dieses Jahr sind das 246 Personen. Die meisten kommen aus Großbritannien (22 Prozent) gefolgt von Deutschland (10 Prozent). Der größte Anteil der Antworten stammt aus Europa, die Ergebnisse sind also für unseren deutschsprachigen Markt sicher auch relevant. Zusammenfassend kann man sagen, das 2022 aus Mediensicht eher ein Jahr der Konsolidierung dessen wird, was in den letzten Jahren aufgebaut wurde, und nicht eins der alles hinterfragenden Innovationen. Der Fokus liegt dabei auf Podcasts und Audio (80%) sowie Newslettern (70%). Finanzieren wollen sich die Medien vor allem über Abomodelle und erst an zweiter Stelle über Werbung. Immerhin 30 Prozent der Befragten glaubt, dass die digitalen Plattformen den Journalismus mitfinanzieren werden über Lizensierungen zum Beispiel. Andere Themen aus der Umfrage, die wir besprechen, sind die stärkere Polarisierung in den Social Media und wie die Medien damit umgehen und wie sie vor allem auch ihre Journalistinnen und Journalisten schützen und unterstützen wollen. Viel Spaß beim Hören.
  1. 9vor9 Episode 75 – Über die Zukunft des Journalismus
  2. 9vor9 Episode 74 – Über Digitalisierung im Gesundheitswesen
  3. 9vor9 Episode 73 – Über den Koalitionsvertrag
  4. 9vor9_Episode 72 – Über Facebook
  5. 9vor9 Episode 71 – Digitale Wünsche und die Infrastruktur

Und hier noch paar Links. Liste wäre einfach erweiterbar:

Filed under: Digitaler Arbeitsplatz, Kommunikation & Zusammenarbeit

About the Author

Veröffentlicht von

... arbeitet in Communications bei Kyndrl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die in leidenschaftlich bewegen. Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.