Im Zentrum steht weiterhin der grüne, modulare Turm mit dem eingelassenen EU-Sternenkreis an der Basis. Von rechts reicht die anthrazitfarbene Hand mit den kabelartigen Fingern danach, der rote Warnpunkt an der Fingerspitze markiert den fast erreichten Kontakt. Die Trump-Figur ist jetzt größer und dominanter im Bild platziert, deutlich im Vordergrund rechts, mit ausgestrecktem Arm, der sichtbar Fäden hält. An diesen Fäden hängt, klein und geometrisch reduziert wie eine Marionette, eine zweite stilisierte Figur mit kurzem blondem Bob und aufrechter, leicht zögerlicher Haltung – erkennbare, aber piktogrammhafte Anspielung auf von der Leyen. Ihre Hand ist ausgestreckt in Richtung eines kleinen Hebels oder Schalters neben dem Turm, doch die Fäden ziehen ihren Arm sichtbar zurück, bevor sie ihn erreicht – die Bewegung bleibt unvollendet.

Digitale Souveränität: openDesk funktioniert zwar, aber die Angst vor Trump dominiert

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openDesk besteht den Praxistest – Darmstadt ignoriert ihn trotzdem

Räumt das mit dem Mythos auf, dass es keine Alternativen zu Microsoft 365, zu Word, Excel, Powerpoint und all den anderen Tools von Microsoft gibt? Zumindest hat openDesk den Ernstfalltest bestanden. Deutsche Rentenversicherung und Bundesagentur für Arbeit haben die Open-Source-Alternative zu Microsoft 365 unter realen Krisenbedingungen geprüft – Dateien, Chat, E-Mail, Videokonferenz, sogar der Umzug zwischen Cloud-Anbietern – und für tauglich befunden. Trotzdem wird das die Microsoft-Gläubigen oder besser Microsoft-Blinden nicht überzeugen.

Während zwei der größten Sozialversicherer Europas also den Praxisbeweis liefern, diskutiert man andernorts noch über die „Alternativlosigkeit“ von Redmond. In Darmstadt etwa tauscht man ein marodes Mailsystem lieber gegen Microsoft 365, statt auf eine offene Lösung wie openDesk zu setzen – Digitalkompetenz sieht anders aus. Den Namen Digitalstadt sollte die Darmstädter Stadtregierung besser ablegen. Vielleicht will man ja Partnerstadt von Redmond werden? Da stören auch massive Preiserhöhungen nicht (je nach Produktvariante um knapp 9 bis 25 Prozent), die seit Juli 2026 gelten. Microsoft hat ja so was von funktional zugelegt – und fesselt die Kunden mit der Azure-Cloud und dem KI-Copiloten noch enger an sich.

Microsofts stille Übernahme der Souveränitätsdebatte

Microsoft stellt sich auch sehr geschickt an, um seine Dominanz zu zementieren. Das zeigt auch der jüngste Milliardendeal mit Mistral AI. Offiziell geht es um den Ausbau europäischer KI-Infrastruktur, um genau jene Unabhängigkeit, die Frankreichs KI-Vorzeigeunternehmen verkörpern soll. Faktisch verschafft sich der US-Konzern damit direkten Zugriff auf die neu ausgebaute Infrastruktur – und die genaue Summe nennt, wenig überraschend, keiner der Partner. Wenn ausgerechnet der Konzern, dessen Marktmacht man eindämmen will, zum Finanzier und Mitnutzer der europäischen Alternative wird, ist das keine Stärkung der Souveränität, sondern deren Unterwanderung mit freundlichem Gesicht. Mistral wird zum Aushängeschild, Microsoft mauschelt im Hintergrund.

Die Zahlen hinter der Abhängigkeit

Die Forrester-Zahlen erklären, warum genau dieses Muster so gefährlich ist: Deutschlands digitale Souveränität liegt 2025 bei mickrigen 34 Prozent, bis 2030 soll sie gerade einmal auf 36 Prozent klettern – gegen China mit 82 und die USA mit 79. Wer angesichts solcher Zahlen trotzdem reflexhaft zu Microsoft greift oder sich mit halbgaren Beteiligungsdeals zufriedengibt, entscheidet sich nicht für Funktionalität, sondern für Bequemlichkeit auf Kosten der Kontrolle. Und die Kosten sind real: Microsoft zahlte 2025 in der EU 6,3 Milliarden Dollar Steuern, 5,6 Milliarden davon flossen nach Irland. Deutschland, mit über 3.400 Beschäftigten einer der größten Standorte des Konzerns, bekam gerade einmal 174 Millionen. Digitale Souveränität heißt eben auch: wissen, wohin das Geld – und die Kontrolle – tatsächlich fließen.

890 Millionen für Google – eine Strafe mit Ansage

Parallel dazu gehen die Auseinandersetzungen zwischen der EU, den US-Tech-Giganten und einem offen drohenden US-Präsidenten weiter. Ende Juli verhängte die EU gegen Google zwei Strafen wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act: 460 Millionen Euro für die Bevorzugung eigener Angebote (Shopping, Hotels, Flüge) in der Google-Suche, 430 Millionen Euro, weil der Konzern App-Entwickler daran hinderte, auf günstigere Kaufmöglichkeiten außerhalb des Play Store hinzuweisen. Zusammen 890 Millionen Euro – nach Meta und Apple die dritte DMA-Strafe dieser Größenordnung.

Nur: Gemessen am Jahresumsatz von Alphabet sind das gerade einmal 0,22 Prozent. Bis zu zehn Prozent, rund 40 Milliarden Euro, wären rechtlich möglich gewesen. Selbst im EU-Parlament regt sich Unmut darüber: Der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab bringt es auf den Punkt: „Die Kommission kneift.“ Auffällig auch: Nicht von der Leyen selbst, sondern ihre Pressesprecher verkündeten die Entscheidung – ungewöhnlich zurückhaltend für einen Moment, den Brüssel sonst gerne als Stärke verkauft.

Trumps Retourkutsche folgt prompt

Dieses vorsichtige Vorgehen hat Trump trotzdem nicht besänftigt. Kaum war die Strafe verkündet, drohte er auf Truth Social mit einem Verfahren nach Section 301 des US-Handelsgesetzes und kündigte an, die EU werde für ihr Vorgehen „einen sehr hohen Preis“ zahlen – zusätzliche Zölle auf EU-Importe inklusive. Vorausgegangen waren bereits im August 2025 und im Juni 2026 Drohungen mit Strafzöllen von bis zu 100 Prozent gegen Länder mit Digitalsteuern oder Regulierung gegen US-Konzerne.

Die Kommission mag also aus Vorsicht die verhängte Strafe klein gehalten haben – vor einer Retourkutsche aus Washington hat sie sich damit trotzdem nicht geschützt. Das ist die eigentliche Lehre aus dem Fall: Wer digitale Souveränität nur so weit verteidigt, wie es dem großen transatlantischen Partner gerade noch genehm ist, hat sie eigentlich schon aufgegeben, bevor der erste Zoll überhaupt verhängt wird.

Das zweite Instrument: Spezifikationsmaßnahmen statt Bußgeld

Parallel dazu hat die Kommission ein zweites, deutlich stumpferes Schwert gewählt: verbindliche Spezifikationsmaßnahmen statt Bußgeld. Google muss Android bis Juli 2027 für konkurrierende KI-Assistenten öffnen und ab Januar 2027 Suchdaten – Anfragen, Klickpfade, Ranking-Informationen – mit Wettbewerbern teilen, flankiert von Datenschutzauflagen.

Auch hier gilt: von der Leyen soll eine deutlich höhere Milliardenstrafe in letzter Minute gestoppt haben – trotz erdrückender Beweise für DMA-Verstöße. Google reagiert erwartungsgemäß mit der Warnung vor Sicherheits- und Datenschutzrisiken für Millionen Europäer, demselben Argumentationsmuster, das Big Tech immer dann bemüht, wenn die eigene Marktmacht in Frage steht.

Damit schließt sich der Kreis zum Mistral-Deal weiter oben: Ob Microsoft sich über eine Beteiligung stille Zugriffsrechte auf die europäische KI-Alternative sichert oder Google eine Strafe kassiert, die kaum mehr als eine Verwarnung ist – das Muster bleibt dasselbe. Die EU redet über Souveränität, handelt aber, sobald ein US-Konzern und vor allem sobald Washington selbst ins Spiel kommt, spürbar vorsichtiger. Bei Microsoft heißt das: Mitmachen lassen statt verdrängen. Bei Google heißt das: mildes Bußgeld statt struktureller Konsequenzen, aus Sorge vor genau der Zoll-Retourkutsche, die dann trotzdem kam.

Der openDesk-Test ist deshalb mehr als eine Randnotiz aus der Verwaltungs-IT: Er zeigt, dass es anders ginge – dass die immer wieder bemühte Ausrede, es gebe keine funktionierenden Alternativen, schlicht nicht stimmt. Er ist die Blaupause dafür, wie digitale Souveränität aussehen müsste, wenn sie ernst gemeint wäre: ohne Microsoft als Miteigentümer, ohne Umweg über Redmond – und ohne dass am Ende doch wieder Rücksicht auf Washington genommen wird, sei es aus wirtschaftlichem Kalkül wie bei Mistral oder aus politischer Vorsicht wie bei der Google-Strafe. Die Technik ist da oder kann weiterentwickelt werden. Was fehlt, ist der politische Wille, sie auch zu nutzen – und die Wachsamkeit, echte Souveränität nicht zu einer PR-tauglichen Floskel verkommen zu lassen. Das gilt für die EU ebenso wie für die deutsche Verwaltung – etwa die oben zitierte Stadt Darmstadt.

Für die Recherche und für den Entwurf dieses Artikel wurde KI eingesetzt.

Quellen

  • heise online – openDesk besteht Ernstfalltest bei Rentenversicherung und Bundesagentur für Arbeit: heise online
  • heise online – Office-Abos werden teurer: Microsoft hebt Preise kräftig an heise online
  • Frankfurter Rundschau – Darmstadt entscheidet sich für Microsoft 365 statt OpenDesk: FR
  • Golem, Johannes Hiltscher – Forrester-Analyse zur digitalen Souveränität Deutschlands: Golem
  • t3n – Microsofts europäische Steuerstrategie: t3n
  • Golem, Achim Sawall – EU erwägt 40-Milliarden-Strafe gegen Google (DMA): Golem
  • Handelsblatt, Luisa Bomke – Milliardendeal Microsoft/Mistral AI: Handelsblatt
  • heise online – Google verstößt gegen DMA: EU verhängt insgesamt 890 Millionen Euro Strafe: heise online
  • netzpolitik.org – Unfairer Wettbewerb: EU-Kommission verhängt 890-Millionen-Euro-Strafe gegen Google: netzpolitik.org
  • BASIC thinking – Trump schwebt über allem: Machtkampf zwischen EU und Google eskaliert: BASIC thinking
  • ZDFheute – Kleine Google-Strafe: Kneift die EU aus Angst vor Donald Trump?: ZDFheute
  • ZDFheute – EU verhängt hohe Strafe gegen Google – Wie Trump reagieren könnte: ZDFheute
  • ZDFheute – Trump: EU wird für Google-Strafe „sehr hohen Preis zahlen“: ZDFheute

Für die Recherche und für den Entwurf dieses Artikel wurde KI eingesetzt.

Fediverse-Reaktionen

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2 Antworten zu „Digitale Souveränität: openDesk funktioniert zwar, aber die Angst vor Trump dominiert“

  1. Danke für diesen exzellenten Artikel. Die EU und Deutschland finden offenbar nicht die Kraft, ihre vollmundigen Ansagen auch in die Tat umzusetzen. Was mich besonders erschüttert ist die Aktion von M$, sich bei Mistral einzukaufen. Die Hoffnung schwindet zuletzt.

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  2. Man muss sich klarwerden dass es seit Jahrzehnten Alternativen zu amerikanischen Produkten gibt. Die Vorherrschaft der US Produkte basiert nicht auf Qualität sondern auf Manipulation. Man hat die User systematisch verblödet so dass sie nur noch die gewünschten Systeme bedienen können.

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