Die Illustration verdichtet zentrale Themen aus IT und Künstlicher Intelligenz zu einer klaren, symbolischen Komposition. Ein gesichtsloser KI-Arzt („Doc Sam“), ein von einer Suchlinse durchdrungener Apfel, eine energiehungrige Maschinenstruktur und ein angefressenes Tabellenblatt stehen für Vertrauensfragen, Abhängigkeiten, Kosten und den Mythos technologischer Alternativlosigkeit. Die reduzierte Farbgebung und die geometrische Formsprache unterstreichen den analytischen, journalistischen Blick auf aktuelle KI-Entwicklungen. Oben markieren „Kuratiert.“ und „IT & KI“ das Format und den thematischen Schwerpunkt.

Aleph Alpha, Apple, Microsoft, Doc Sam: Ernüchternde Momente in IT und KI

Meine wichtigsten IT- und KI-Themen der vergangenen Tage – von Aleph Alpha bis Apple, von Microsoft bis Doc Sam, also ChatGPT Health. Dazu ein bissiger Kommentar zum Mythos KI als Heilsbringer. Diese Ausgabe von Kuratiert. konzentriert sich bewusst nur auf IT und KI. Die Kolumne soll künftig wenn möglich mit Artikeln zu einem Schwerpunkt-Komplex erscheinen.

Kuratiert - 500 250 Unterzeile normal grün

  1. Aleph Alpha: Es war einmal ein Hoffnungsträger
  2. KI-Blamage: Apple muss sich für Gemini entscheiden
    1. News rund um Apple Home
  3. Unverzichtbar? Mal wieder die Mär rund um Microsoft
  4. Doc Sam löst Doc Google ab – News rund um ChatGPT
    1. Wer bin ich eigentlich und warum
  5. KI macht alles billiger und produktiver ? Von wegen. 💸 – Ein lesenswerter Kommentar

Aleph Alpha: Es war einmal ein Hoffnungsträger

Aleph Alpha, das Unternehmen war der Hoffnungsträger der deutschen KI-Industrie. Noch gut habe ich die Bilder von Robert Habeck unddem Aleph Alpha-Gründer Jonas Andrulis vor Augen. 2023 haben wir angesichts der damaligen Finanzierungsrunde bei #9vor9 die Frage gestellt, ob das Unternehmen mit seinem Large Language Model (LLM) mit den Großen mithalten kann.

Heute wissen wir, dass es im Bereich LLM nicht mithalten kann. Das Unternehmen strukturiert um. Gründer Jonas Andrulis zieht sich zurück und baut Stellen ab. Man halte – so das typische Sprech offiziöser Pressemitteilung -weiter an dem Ziel fest, KI‑Lösungen für europäische Unternehmen und Institutionen zu entwickeln. Ich interpretiere so, dass man mehr in das Lösungs- und Beratunsgeschäft gehen will und die Produktentwicklung abgehakt hat.

Mit Andrulis tritt ein, wenn nicht der Kopf der deutschen KI-Szene erst einmal ab.


KI-Blamage: Apple muss sich für Gemini entscheiden

Eher vernichtende Kommentare und Berichte muss gerade auch Apple über sich ergehen lassen, nachdem nun offiziell ist, dass man Google’s Gemini als KI-Modell verwenden wird – ob erst einmal oder „für immer“, das ist dahingestellt. Die Nachricht ist aber klar das Eingeständnis, dass Cupertino mit seiner eigenen „Apple Intelligence“ krachend gescheitert ist: „Apple kapituliert: Siri bekommt ein Gehirn von Google“ und „Lieber einen Deal mit dem Erzrivalen eingehen als weiter hinterherhinken.“ schreibt beispielsweise Jörg Schieb.

Google bzw. der Mutter-Konzern Alphabet dagegen können jubeln. Jahrelang war die Google-Suche die präferierte Suchmaschine, nun ist Google Gemini die Basis der Künstlichen Intelligenz, die auf Apple iPhone’s, iPad’s und Mac’s läuft – sicher nicht zum Nachteil der Werbeeinnahmen von Google. Vor allem aber muss Google nicht mehr 20 Milliarden US $ für die Bevorzugung seiner Suchmaschine zahlen, sondern bekommt sogar noch Geld von Apple – angeblich eine Milliarde US $ pro Jahr.

„Auf Dauer wird sich Apple diese Abhängigkeit nicht leisten wollen“, schreibt Holger Schmidt im FAZ Newsletter Digitalwirtschaft (€). Wollen und können sind aber wohl verschiedene Dinge, wenn es um Apple und Künstliche Intelligenz geht. Zu befürchten ist, dass man die vollmundigen Data Privacy-Versprechungen, die rund Apple Intelligence gemacht wurden, in die Tonne treten kann. „AI for the rest of us ist eine fette Aussage und daran wird sich Apple messen lassen müssen. Kann Apple insbesondere mit Google und Microsoft mithalten oder sogar mehr?“, habe ich nach unserem Podcast am 11. Juni geschrieben. „Das war ein hohles Versprechen, das nie eingelöst wurde.“

News rund um Apple Home

Aus dem Apple-Universum gibt es noch einige Nachrichten, die ich für erwähnenswert halte, vor allem weil ich im Apple-Ökosystem verhaftet bin. Sir Apfelot schreibt über Verbesserungen der KI-Funktionen mit iOS 26.4, macOS 26.4 und Co. Siri werde persönlicher. Na ja, angesichts der Gemini-Ankündigung verblassen die etwas.

Relevanter für mich sind Änderungen im Bereich Smart Home von Apple. Die alte Home-App bzw. die alte Apple-Home-Architektur wird wohl abgeschaltet. Das sollte aber für mich keinen Einfluss haben. Meine Apple TV und die HomePods sind auf aktuellem Stand. Abkassieren könnte Apple dagegen, wenn es einen HomePod mit Monitor auf den Markt bringt. Das würde die Steuerung meiner Eve-Heizungsthermostate erleichtern, gerade auch für meine Mutter, die öfters zu Besuch ist. Die Soft-Tasten der Theromostate sind doch sehr „touchy“, so dass man auf die App angewiesen ist. Aber auch beim neuen HomePod scheint das bisherige Siri ein Hinderungsgrund zu sein, dass die Auslieferung verzögert.

Ein Grund, warum ich nicht aus dem Apple-Ökosystem weg komme sind die Smart Home-Komponenten. Darüber hinaus steuere ich PV-Anlage und Wallbox über entsprechende Apps. All das und warum mich all die separaten Zusatz-Apps tierisch stören, die ich für meinen Dyson Cooler und mein Xiaomi-Ventilator so stören, ist vielleicht einmal Thema eines gesonderten Beitrags.


Unverzichtbar? Mal wieder die Mär rund um Microsoft

Weiterhin nicht verstehen kann ich, dass angesichts der aktuellen Lage und des Verhaltens von Microsoft (z.B. Sperrung von E-Mail-Konten) jemand hingehen kann und hämisch darüber „berichtet“, dass Airbus nicht dem Umstieg von Microsoft Office auf Google Workspace schafft. Es wird kolportiert, dass Microsoft Office halt einfach unverzichtbar sei. Natürlich ist der Verfasser in seinem Beruf mit Microsoft und deren Technologie verflochten.

Ist Microsoft Office unverzichtbar? Ich glaube nicht, aber man muss sicher einen nennenswerten Aufwand betreiben, um seine Excel-Tabellen mit Verbindungen und Formeln, seine Word-Vorlagen mit Makros und seine Managementpräsentationen auf Basis Powerpoint zu ersetzen. Doch ist das meiner nach angesichts des konkreten Verhaltens von Microsoft und des Ziels einer höheren digitalen Souveränität absolut anstrebenswert. Entstehen durch einen solchen Umstieg umkalkulierbare Kosten?

Es scheint mit aller Vorsicht so zu sein, dass enorme Lizenzkosten beim Umstieg auf Open Source-basierte Lösungen eingespart werden können – siehe die derzeit vorliegenden Zahlen aus Schleswig Holstein. Und diese Einsparungen sollten die Entwicklung einer analogen Funktionalität zu besagten Makros und Formeln querfinanzierten können – wobei sich insbesondere bei den beliebten Management-Präsentationen auf Basis Powerpoint auch die Frage gestellt werden sollte, ob diese wirklich notwendig sind.

Gerade die öffentliche Hand könnte bei den viel zitierten Fachverfahren, die wohl vor allem mit Word und Excel integriert sind, genügend Druck ausüben, damit ein Wechsel zu Libre Office und vergleichbaren Tools möglich wäre. Das ist aus meiner Sicht nur eine Frage des politischen Wollens, wo gerade auch die SPD kläglich versagt und lieber mit Microsoft ins Bett geht. Da kann die SPD-Justizministerin Stefanie Hubig noch sei sehr europäische KI-Lösungen fordern, um die Abhängigkeit von Microsoft & Co. zu verringern.


Doc Sam löst Doc Google ab – News rund um ChatGPT

Zum Abschluss geht es um Nachrichten und Anwendungen rund um ChatGPT. Mit ChatGPT beziehungsweise dem Bildgernator erstelle ich derzeit die Titelbilder meines Blogs auf der Basis einer Style- und Prompt-Library, die ich im Dialog mit ChatGPT erstellt habe. Interessant ist, das mit identischen Prompts sehr unterschiedliche Bilder bei ideogram.ai, Gemini (das immer noch mit dem Generieren von Bildern im 16:9 Format zu kämpfen hat) und eben ChatGPT erzeugt werden.

Eine gute Freundin hat seit langer Zeit mit ihrem Knie Probleme. Es wurde operiert, was aber den Zustand nicht verbessert hat. Im Gegenteil. Sie zweifelt unterdessen an den oft sich widersprechenden Diagnosen vieler Ärzte. ChatGPT liefere ihn oft bessere Aussagen als die Ärzte. Zuerst einmal in den USA treibt Open AI diese Entwicklung weiter. Dort ist in einigen Regionen unterdessen ChatGPT Health verfügbar. Dr. Google wird durch Dr. ChatGPT oder besser Doc Sam abgelöst.

In ChatGPT Health soll all das zusammentragen kann, was sonst in Dutzenden Apps und Portalen verteilt ist: Laborwerte, Arztberichte oder Schritt- und Schlafdaten aus Apple Health & Co. Einmal verbunden, soll die KI auf einmal verständliche Antworten liefern und sogar individuelle Tipps zu Ernährung, Training und Arztgesprächen ableiten – oder zumindest so tun.

ChatGPT Health soll keine Diagnosen stellen oder Ärzte ersetzen. Daten werden, so Open AI, separat und mit hoher Sicherheit behandelt – und sollen nicht zum Training der KI genutzt werden. Trotzdem bleibt die Frage: Wollen wir wirklich sensibelste Gesundheitsdaten mit einer profitgetriebenen KI teilen? Und was ist den Halluzinationen, den Märchengeschichten und falschen Fakten, die fast alle KI’s derzeit noch liefern?

Wer bin ich eigentlich und warum

So findest du heraus, was ChatGPT alles über dich weiß : Dafür kannst du im Chat einfach Fragen wie „Was weißt du über mich?“ oder „Wie heiße ich und wo arbeite ich?“ eingeben. Ruhig mal ausprobieren. Auch in den anderen Large Language Models.

Einen ähnlichen Hype gibt es derzeit in der Blogosphäre. Da lassen viele Kolleginnen und Kollegen von ChatGPT oder einer anderen KI ihren Blog charakterisieren. Einfach das jeweilige LLM fragen: „Analysiere bitte diesen Blog unter [Adresse hier einsetzen].“


KI macht alles billiger und produktiver ? Von wegen. 💸 – Ein lesenswerter Kommentar

Schließlich noch zum Abschluss noch der Hinweis auf einen bemerkenswerten IMHO (In My Humble Opinion – Meiner bescheidenen Meinung nach) von Markus Feilner, der unter dem Titel „KI – Jetzt wird es teuer für alle“ leider nur noch kurz frei verfügbar sein wird (oder schon nicht mehr ist). Die KI-Euphorie war lange ein Spielplatz für Investoren, jetzt wird sie zum Alltagsproblem. Markus Feilner beschreibt nüchtern, wie aus dem vermeintlichen Innovationswunder eine gigantische Kostenmaschine wird: Strompreise explodieren, Steuergelder fließen in Rechenzentren, Atom- und Kohlekraft erleben ein schmutziges Comeback. Während Tech-Konzerne Sondertarife erhalten, zahlen Privathaushalte die Rechnung – direkt über die Stromrechnung oder indirekt über Subventionen.

Besonders bitter: Der versprochene Nutzen bleibt meist aus. 95 Prozent der KI-Projekte scheitern, Produktivität stellt sich kaum ein, dafür wachsen Sicherheitslücken, technischer Schuldenberg und Energiehunger. Feilners Text liest sich wie ein Abgesang auf ein Management, das einem Phantom hinterherläuft – und dabei Klima, Staatsfinanzen und digitale Souveränität riskiert. Sein Fazit ist unbequem, aber schwer zu ignorieren: Der KI-Hype wirkt weniger wie ein technologischer Durchbruch und mehr wie ein riskantes Finanzexperiment. Die Frage ist nicht mehr, ob es teuer wird – sondern für wen zuerst.

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