Jetzt habe ich doch wieder Puls. Dabei wollte ich in dieser Folge von Kuratiert. eigentlich etwas entspannter schreiben. Doch dann bin ich in den sozialen Kanälen auf diesen Tweet des echten Armin Laschet (scheint zumindest so) gestoßen.

Ernsthaft? Wie kann man so etwas heute noch schreiben? Da sieht man leider mal wieder, in wie sozialmedial inkompetent führende, deutsche Politikerinnen und Politiker sind. Und wie sie einfach ignorieren, was gerade auf X mit Kinderpornografie geschieht. Schämen Sie sich, Armin Laschet, so etwas abzusondern. Es gibt neben X unzählige seriösere Quellen, wo man sich über die Geschehnisse in den USA informieren kann.
Merz & Arbeit: Veränderung durch KI nicht auf dem Radar
Vom im falschen Moment feixenden Laschet ist der Weg zum Kanzler nicht weit. Die taz hat die Neujahrsansprache von Friedrich Merz kommentiert. Er findet einfach nicht den richtigen Ton, um die Bürgerinnen und Bürger zu packen:
Statt wie ein Regierungschef zu den Bürger:innen, spricht er wie ein Firmenvorstand zu seiner Belegschaft. Die Sorgen von Merz sind nicht die der Bürger:innen, sondern der Unternehmen, das wird in seiner Ansprache immer wieder deutlich.
Zudem scheint der Sauerländer noch in der Welt der fünfziger, sechziger oder maximal siebziger Jahre verhaftet. Das kann man beispielhaft an seinem Verständnis von Arbeit festmachen. Meiner Wahrnehmung nach hat noch kein Unionspolitiker, geschweige denn Merz selbst, den Wandel des Einflusses von Künstlicher Intelligenz auf Arbeit verstanden oder zumindest adressiert. Es geht nicht mehr nur um „mehr arbeiten“.
Christian J. Meier legt bei den Riffreportern den Finger in die Wunde: Deutschland hängt am „Arbeit-Fetisch“, während KI längst die Regeln neu schreibt. Statt reflexhaft mehr Arbeitszeit zu fordern, müssen wir die Arbeitskultur für das KI-Zeitalter neu denken und gesellschaftliche Folgen ernst nehmen. Der Koalitionsvertrag reicht dafür nicht.
Und hier noch einige weitere Inhalte, die ich ausgewählt (kuratiert) habe, weil ich sie für erwähnenswert halte und sie hier im Blog dokumentieren möchte.
KI-generiert: Echt, schlecht, unglaubwürdig?
Einen bemerkenswerten Beitrag hat Stephan Scheuer im Handelsblatt KI-Briefing geschrieben. Er dreht darin das Produktivitätsversprechen um, das Microsoft und andere KI-Anbieter machen. Statt produktiver zu arbeiten, würde man sich angesichts der Wut über KI-generierte E-Mails, Texte, Bilder und Videos künftig fragen: „Ist das echt – oder nur plausibel?“ Scheuer meint, dass künftig wieder mehr darauf gesetzt werde, dass man jemanden kenne und vertraue und dass persönliche Treffen wieder an Bedeutung gewännen: „In einer synthetisch überfrachteten, digitalen Öffentlichkeit wird persönlicher Bezug zum Anker.“ Wünschenswert wäre es, allein habe ich Zweifel, dass doch viele lieber konsumieren als zu hinterfragen.
Scheuers Text ist sehr persönlich. Seine Kollegin Milena Merten dröselt das Thema mit Studien und Praxiserfahrungen auf (leider hinter der Handelsblatt-Paywall). „Ich hoffe, diese E-Mail findet Sie wohlauf.“ Wenn man das in einer deutschsprachigen Mail liest, zuckt man zusammen. Diese Floskel – in US-amerikanischer Kommunikation typisch und „politisch korrekt“ – steht sinnbildlich für ein größeres Problem: Immer mehr werden wir im Job mit glattgebügeltem KI-Einheitsbrei überschwemmt – hübsch formatiert, aber inhaltlich dünn.
Mit Hilfe von KI-Tools entsteht sogenannter AI Workslop, E-Mails, Präsentationen und Strategiepapiere, die seriös aussehen, aber beim zweiten Blick auseinanderfallen. Studien beziffern den Produktivitätsverlust auf Millionenbeträge – und den Vertrauensverlust gleich mit. Und ja, das heißt Arbeit. Heißt Produktivitätsgewinn etwa, erst einmal Müll produzieren, den andere wieder aufräumen müssen? Mit KI erstellte Inhalte sind Entwürfe, Rohmaterial, Quellen, die zuerst einmal validiert werden müssen. Das ist bei vielen Anwendern und Unternehmen noch nicht angekommen.
Sind wir doch nicht so gespalten, wie wir denken?
Zumindest ein wenig Hoffnung machen die Riffreporter in Person von Björn Lohmann im Beitrag „Spaltung der Gesellschaft? Wir sind weniger uneins, als wir denken„. Er zieht diverse, aktuelle Studien heran und kommt zu dem Schluss, dass die gefühlte Spaltung größer sei als die reale. 23 Prozent der Gesellschaft gelten laut Wissenschaftsbarometer 2025 als emotional gegenüber Andersdenkenden (stark affektiv polarisiert). Doch nur 2 Prozent sind das über die Gendersprache, den Klimawandel und die Migration hinweg. Wirkliche Klimaschutzgegnerinnen und -gegner seien beispielsweise nur 8 Prozent, so der zweite Zusammenhaltsbericht des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Die Spaltung erscheine uns allen deutlich größer, weil … die Gegner besonders laut in den sozialen Medien sind, ich sage rumpöbeln.
Diese Studien machen (zumindest etwas Mut), dass wir doch viele wieder in das demokratische Schiff holen können und dieses nicht untergeht.


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